Andachten:

Jahreslosung 2011

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“. Röm 12,21

 

„Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil“. „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es aus ihm heraus“. „Wie du mir, so ich dir“. „Rache ist süß“. Vielleicht gibt es noch mehr solcher Sprichworte, die zum Ausdruck bringen, wie Menschen natürlicher Weise auf Böses reagieren. Diese Haltung hat eine lange Tradition. Schon Lamech prahlte vor Urzeiten vor seinen Frauen mit den Worten: „Einen Mann erschlug ich für meine Wunde und einen Jüngling für meine Beule. Kain soll siebenmal gerächt werden, aber Lamech siebenundsiebzig mal.“ (1. Mo 4,23f). So schaukelt sich das Böse immer höher. Das Miteinander von Menschen wird nachhaltig gestört.

Paulus gibt einen guten Rat, wie der Kreislauf des Bösen durchbrochen werden kann. Es soll unter Christen eben nicht nach der Devise gehen „wie du mir, so ich dir“, sondern nach der Regel „wie ER mir, so ich dir“. Gott hat den Kreislauf der Sünde mit Liebe durchbrochen. Seine Liebe zu den Menschen kommt in überwältigender Weise dadurch zum Ausdruck, dass er seinen Sohn gibt, damit Menschen von Schuld befreit ein neues Leben als Kinder Gottes beginnen können.

In Anlehnung an einen alten Werbeslogan heißt es nun: „Wenn einem so viel Gutes wird beschert, dann ist das einen anderen Umgang wert!“ Dieser veränderte Umgang zeigt sich auch darin, wie wir auf Böses reagieren. Das hier verwendete Wort muss nicht unbedingt Böse mit voller Absicht bedeuten. Wir kennen ja auch den Spruch: Das Gegenteil von Gut ist nicht böse, sondern gut gemeint. Wie oft verletzen sich Menschen in unseren Gemeinschaften, obwohl alles in bester Absicht geschieht. Die gute Absicht wird dann meist nicht gesehen, die schmerzhafte Verletzung aber umso stärker gespürt. Entsprechend fallen dann die Reaktionen aus. Das zeigt aber nur, wie aktuell und wichtig dieser Satz des Paulus noch heute ist. Schön und herausfordernd zugleich, dass wir im neuen Jahr 365 Tage Zeit haben, um uns in diese Haltung einzuüben.

 

Thomas Käßner